ETF & Fonds

ETF-Kosten 2026: Gebühren & Kosten im Überblick

Kosten sind der einzige Faktor beim Investieren, den du vollständig kontrollieren kannst. Selbst geringe Unterschiede von 0,3–0,4 Prozentpunkten können über Jahrzehnte Tausende Euro ausmachen. Dieser Artikel zeigt alle relevanten Kostenarten, die häufigsten Fallen und wie du dein Depot 2026 auf Effizienz trimmst.

Was kostet ein ETF wirklich?

TER (Gesamtkostenquote) – nur die halbe Wahrheit

Die TER (Total Expense Ratio) wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen und steht in jedem Prospekt. Sie umfasst: Verwaltungsgebühren, Indexlizenz, Administrative Kosten. Was sie NICHT enthält: Transaktionskosten innerhalb des Fonds (wenn der ETF Aktien kauft/verkauft) und Spread-Kosten beim Handel.

Tracking Difference – die ehrlichere Kennzahl

Die Tracking Difference (TD) misst, wie stark ein ETF von der tatsächlichen Wertentwicklung des Index abweicht – nach allen Kosten. Das ist die aussagekräftigere Zahl:

Ein ETF mit 0,20 % TER kann durch Wertpapierleihe-Erträge so effizient arbeiten, dass seine TD nahe null oder sogar negativ ist → er schlägt seinen eigenen Index nach Kosten! Umgekehrt kann ein ETF mit niedriger TER durch schlechtes Management eine hohe TD haben.

Praxis-Tipp: Auf trackingdifferences.com findest du die TD für fast alle in Europa handelbaren ETFs. Vor dem Kauf immer prüfen – nicht nur die TER.

Weitere Kostenblöcke

Spread: Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse. Sehr liquide ETFs (iShares Core MSCI World): unter 0,05 %. Nischen-ETFs: bis 0,5 % oder mehr. Tipp: Während der Xetra-Handelszeiten (9–17:30 Uhr) kaufen – dann sind die Spreads am niedrigsten.

Swap-Kosten (bei synthetischen ETFs): In der TD verborgen. Synthetische ETFs bilden den Index über Tauschvereinbarungen ab statt alle Aktien physisch zu kaufen. Können dadurch steuerlich effizienter sein, haben aber ein Gegenparteirisiko.

Vorabpauschale (Steuer): Seit 2018 fällt bei thesaurierenden ETFs auch ohne Verkauf eine jährliche Steuer an (Vorabpauschale). Berechnung basiert auf dem Basiszins der Bundesbank. 2026: Relevant, aber gering. Wird automatisch von deinem Broker abgeführt, wenn ein Freistellungsauftrag nicht oder nicht ausreichend erteilt ist.

TER-Vergleich nach Anlageklasse

Breite Aktien-ETFs (Standard 2026: 0,05–0,20 %)

Anleihen-ETFs (0,10–0,25 %)

Standard für Staatsanleihen. Hochzins- oder Schwellenländeranleihen: teurer (0,30–0,50 %). Für den sicheren Baustein im Pantoffel-Portfolio: Geldmarkt-ETF (z. B. Xtrackers EUR Overnight Rate, 0,10 %) als Tagesgeld-Alternative.

Themen-ETFs (0,40–0,75 %) – Vorsicht!

Wasserstoff, KI, Clean Energy, Blockchain – klingen spannend, kosten aber 3–4× so viel wie Standardindizes. Historische Daten zeigen: Die meisten Themen-ETFs hinken ihren breiten Vergleichsindizes langfristig hinterher. Höhere Kosten + konzentriertes Portfolio + Marketing-getriebene Nachfrage = schlechte Kombination. Für die meisten Anleger: Breiter Welt-ETF schlägt Themen-ETF.

Broker-Kosten: Was dein Depot kostet

ETF-Sparpläne (kostenlos bei Neobrokern)

  • Trade Republic: 0 € Sparplan-Gebühr, 1 € pro Einmalkauf. Zinsen auf uninvestiertes Kapital. Größte ETF-Sparplan-Auswahl
  • Scalable Capital (Free): 0 € Sparplan, 0,99 € pro Einmalkauf. Prime-Modell (4,99 €/Monat) = unbegrenzte Trades
  • ING: 0 € Sparplan ab 1 €/Monat. Große ETF-Auswahl, etablierte Direktbank
  • DKB: 0 € Sparplan (ab 25 €/Monat), 1,50 € pro Einmalkauf bis 10.000 €

Versteckte Kosten

Neobroker: Orders oft nur zu einem festen Tageskurs (kein Einfluss auf Handelszeitpunkt). PFOF (Zahlung für Auftragsfluss) ist in der EU seit 2026 stärker reguliert – prüfe, ob dein Broker Aufträge über die Referenzbörse (Xetra) oder über Nebenbörsen (Gettex, Tradegate) ausführt. Nebenbörsen: Leicht höherer Spread, dafür keine Ordergebühr.

Filialbanken: Depotgebühren 12–50 €/Jahr + Ordergebühren 1–2 % + Ausgabeaufschläge bei aktiven Fonds. Für ETF-Anleger nie empfehlenswert.

Empfehlung: Trade Republic oder Scalable Capital für Sparpläne. ING oder DKB als Zweitdepot bei einer etablierten Bank (Einlagensicherung, Kundenservice). Details zum Altersvorsorgedepot (ab 2027, staatlich gefördert, ETF-basiert) in unserem Riester-vs-Bauspar-Artikel.

Der Zinseszins-Killer: Rechenbeispiel

Annahme: 10.000 € Einmalanlage + 200 €/Monat Sparplan. 7 % Bruttorendite/Jahr.

  • ETF mit 0,1 % TER: Nach 20 Jahren → ~110.000 €
  • ETF mit 0,5 % TER: Nach 20 Jahren → ~103.000 €
  • Unterschied: ~7.000 € – nur durch 0,4 Prozentpunkte höhere Kosten. Kein Gegenwert dafür erhalten
  • Nach 30 Jahren: Unterschied verdoppelt sich auf ~14.000 €

Fazit: 0,4 % klingt nach nichts. 7.000–14.000 € klingen nach viel. Das ist der Zinseszins-Effekt auf Kosten.

Wann lohnt sich ein ETF-Wechsel?

Ein Verkauf löst Kapitalertragsteuer aus (25 % + Solidaritätszuschlag auf Kursgewinne). Faustregel: Wechsel lohnt sich, wenn die jährliche Kostenersparnis die einmalige Steuerbelastung in 5–7 Jahren kompensiert.

Steuerfrei umschichten: Sparerpauschbetrag (1.000 €/Person, 2.000 € bei Ehepaaren) jedes Jahr ausschöpfen. Gewinne bis zur Freigrenze verkaufen, sofort wieder in günstigeren ETF investieren → Anschaffungskosten höher angesetzt, spart später Steuern. Konsistent mit unserem Pantoffel-Portfolio-Artikel.

Kosten-Optimierung: 5 konkrete Schritte

  1. Tracking Difference prüfen (trackingdifferences.com) – nicht nur TER
  2. Breite Indizes bevorzugen: FTSE All-World oder MSCI ACWI (0,20–0,22 %) statt Themen-ETFs (0,40–0,75 %)
  3. Kostenloser Sparplan: Trade Republic, Scalable, ING oder DKB – keine Ordergebühren für Sparpläne
  4. Während Xetra-Zeiten kaufen (9–17:30 Uhr) – niedrigster Spread
  5. Sparerpauschbetrag ausschöpfen: Jedes Jahr Gewinne bis 1.000 € realisieren → steuerfrei umschichten

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

TER unter 0,20 %: Standard für breite Aktien-ETFs. Alles darüber braucht eine klare Begründung.

Tracking Difference: Die ehrlichere Zahl. Nahe null oder negativ = exzellent.

Spread: Unter 0,05 % bei liquiden ETFs. Während Handelszeiten kaufen.

Broker: 0 € Sparplan bei Neobrokern. Depotgebühren bei Filialbanken vermeiden.

Sparerpauschbetrag: 1.000 €/Person. Jedes Jahr ausschöpfen = langfristige Steuerersparnis.

Kosten sind der einzige Faktor, den du vollständig kontrollieren kannst. Märkte sind unvorhersehbar – deine Gebühren nicht. Weniger zahlen = mehr behalten. So einfach ist das.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Anlageberatung.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlage- oder Finanzberatung dar. Geldanlagen sind mit Risiken verbunden – bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater zu konsultieren.

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